Wandern für Anfänger: Abenteuer Natur

Wer ist nicht schon mal in Jeans und flottem Tempo losge­wandert, um sich wenig später zu wundern, warum die eigene Fitness so schnell schlappmacht? Mit diesen Tipps kommt ihr auf eurer nächsten Wanderung nicht so schnell ins Schwitzen!

Nadja Rümelin

Überschätzt euch nicht

Um herauszufinden, ob ihr einen Wanderweg problemlos meistern könnt, orientiert ihr euch am besten an der SAC-Wanderskala, die Wanderwege in sechs Schwierigkeitsgrade einteilt: von leichten Talwegen (T1) über einfache und mittelschwere (T2 und T3) bis hin zu schweren Berg­wegen (T4 bis T6). Alternativ gibt die Einteilung in blaue (leichte), rote (mittelschwere) und schwarze (schwere) Wanderwege einen guten Anhaltspunkt. Zudem ist es sichererer, zu zweit oder in einer Gruppe zu wandern – sofern ihr nicht unbedingt die Einsamkeit sucht. Egal, ob ihr allein oder in Gesellschaft loszieht, gebt zumindest jemandem über euer Vorhaben Bescheid und tragt euch in Hütten- oder Gipfelbücher ein. Im Fall der Fälle hilft das Rettungskräften, euch so (schneller) zu finden. Habt außerdem immer das Wetter im Blick: Gerade in den Bergen kann es schnell umschlagen, und während morgens noch die Sonne scheint, zieht am Nachmittag nicht selten ein schweres Unwetter auf. Um insbesondere im alpinen Gelände nicht die Orientierung zu verlieren, solltet ihr auf eine gute alte Wanderkarte und einen Kompass setzen. Auch Wander-Apps sind hilfreich, aber nur solange ihr ausreichend Empfang und Akku habt. Des Weiteren gilt: Bleibt auf den markierten Wegen, und lasst anderen Wanderern, die absteigen, den Vortritt.

Off The Path / S. Canaves, L. Dubois Ausgestattet mit Rucksack, Zelt & Co. lässt sich die Wildnis am besten entdecken.

Lauft richtig (angezogen) los

Das Wichtigste beim Wandern sind passende Schuhe, denn die sorgen nicht nur für Halt und somit für mehr Ausdauer, sondern minimieren auch das Verletzungsrisiko, sodass ihr möglichst bequem und sicher lauft. Außerdem ist es eine gute Idee, in Funktionskleidung zu investieren und auf das »Zwiebelprinzip« zu setzen: Während Merinowolle und synthetische Stoffe wie Polyester oder Polyamid besonders leicht, atmungsaktiv, geruchshemmend und schnelltrocknend sind, habt ihr dank der Zip-off-Funktion gleich zwei Hosen dabei. Auf keinen Fall loswandern solltet ihr in Turnschuhen, Jeans und einem T-Shirt aus Baumwolle, denn diese saugt Feuchtigkeit nicht nur auf, sondern speichert sie und trocknet sehr langsam. Und egal, wie blau der Himmel ist, packt immer eine leichte Wind- und Regenjacke ein. Sollte es euch in die Berge ziehen, gehört selbst bei warmen Temperaturen neben Capy und Sonnencreme ein Fleece oder eine leichte Daunenjacke in euren Rucksack, denn ein Wetterumschwung kommt schneller, als ihr laufen könnt. Apropos Rucksack: Am besten nehmt ihr einen Rucksack mit, der einen zusätzlichen Hüftgurt bietet und an allen Gurten gepolstert ist. Wobei es auch eure Hüfte ist, die das meiste Gewicht tragen sollte – und nicht etwa eure Schultern und euer Rücken. Noch angenehmer wandert es sich übrigens, wenn der Rucksack euren Rücken frei lässt (mehr zur Rucksackwahl findet Ihr hier).

Off The Path / S. Canaves, L. Dubois Auch im Zeitalter digitaler Errungenschaften sollte die gute alte Wanderkarte immer mit von der Partie sein.

Geht es ruhig an

Anfangs sprudelt ihr nur so vor Energie, doch anstatt diese raus- und eure Füße einfach laufen zu lassen, solltet ihr es langsam angehen. Gerade auf längeren Wanderungen oder in schwierigem Terrain müsst ihr eure Kräfte – und insbesondere auch eure Konzentration – einteilen. Ansonsten seid ihr viel zu schnell aus der Puste, verletzt euch womöglich und schafft es nicht bis an euer Ziel. Dazu gehört auch, lieber frierend loszugehen: Einerseits wird euch nach ein paar Schritten sowieso warm, andererseits verliert ihr beim Schwitzen zu viel Energie. Ebenfalls hilfreich sind Wanderstöcke, denn sie sorgen für Balance, einen aufrechten Gang und schonen eure Gelenke – gerade bei einem steilen Auf- oder Abstieg wollt ihr die schmalen Helfer nicht missen.

Off The Path / S. Canaves, L. Dubois Auch in der Natur warten Wasserquellen mit Trinkwasserqualität.

Pausen machen, eine Stärkung zu sich nehmen, dem Körper Ruhe gönnen, alle Viere von sich strecken und Eindrücke verarbeiten – auch das gehört zum Wandern und ist besonders für Neulinge wichtig.

Versorgt euch gut

Selbst wenn ihr nur zu einer kurzen Wanderung aufbrecht, solltet ihr ausreichend Wasser und energiereiche Snacks einpacken – lieber sogar zu viel. Es kann immer passieren, dass ihr eure Route ändern müsst, länger unterwegs seid als geplant oder ein Wirt unerwartet schließt. Nüsse, Trocken­obst und Müsliriegel spenden besonders viel Energie. Wenn es auf eine Mehrtagestour geht, müsst ihr vorher abklären, ob ihr unterwegs an Trinkwasser gelangt und beispielsweise in Hütten einkehren könnt. Als Faustregel gilt, 2–3 l Wasser pro Person und Tag einzurechnen. Je nach Route macht es Sinn, einen Wasserfilter und spezielle Trekkingnahrung einzupacken.

Off The Path / S. Canaves, L. Dubois Auf vielen Strecken findet ihr unterwegs Hütten, wo ihr rasten oder euch bei schlechtem Wetter unterstellen könnt.
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Wir sind die Gesichter hinter Off The Path und lieben das Abenteuer, ob vor der eige­nen Haustüre oder in der Ferne! Am liebsten entdecken wir… Mehr erfahren