Verantwortungsvoll in der Natur unterwegs

Das Prinzip »Leave No Trace« (Hinterlasse keine Spuren) stammt ursprünglich aus den USA der 1960er- und 1970er-Jahre. Als Outdoor-Aktivitäten dort rasant an Popularität gewannen, wurden sieben Empfehlungen für naturverträgliche Verhaltensweisen erarbeitet.

Nadja Rümelin

Diese Empfehlungen sind so allgemein ge­halten, dass sie im Prinzip immer und überall anwendbar sind und euch dabei helfen können, verantwortungsvoll draußen unterwegs zu sein. Für euch selbst, für Tier und Natur und auch für andere Menschen, die diese Natur eben­­falls genießen wollen.

1. Plant voraus und bereitet euch vor

Gute Planung ist die Grundlage für eine gelungene Tour ohne unnötige Risiken und negative Auswirkungen auf die Umwelt. Dabei solltet ihr euch insbesondere folgende Fragen stellen: Gibt es spezielle Regeln vor Ort (handelt es sich zum Beispiel um ein Naturschutzgebiet)? Wisst ihr, wie ihr euch bei Begegnungen mit Weide- und Wildtieren verhalten solltet? Entspricht die Tour euren Fähigkeiten und eurer Fitness? Gibt es besondere Schwierigkeiten, zum Beispiel Flussüberquerungen oder Kletterstellen? Woran könnt ihr euch unterwegs orientieren? Wie wird das Wetter, und welche Ausrüstung braucht ihr dafür? Habt ihr genug Wasser und Verpflegung dabei?

fraeuleindraussen / K. Heckmann Es ist ein gutes Gefühl, mit der Natur im Einklang zu sein.

2. Bewegt euch auf möglichst belast­baren Untergründen

Die Natur ist zwar kein Porzellanladen, in dem jeder umgeknickte Grashalm eine kleine Katastro­phe nach sich zieht, gleichzeitig werden die Aus­wirkungen, die ein paar Fußtritte haben können, aber oft von Wanderern unterschätzt. Wann immer es möglich ist: Bleibt auf vorhandenen Wegen und vermeidet Abkürzungen. So schützt ihr die Vegetation, beugt Erosion vor und lasst den Tieren ihre Rückzugsräume, die im dicht besiedelten Deutschland ohnehin rar ge­worden sind. Auch solltet ihr bevorzugt ausgewiesene Stellen für Camping und Lagerfeuer nutzen. Belastbare Untergründe sind möglichst hart und vegetationsarm, also zum Beispiel Fels und Kies oder auch Schnee.

3. Entsorgt Abfall richtig

Grundsätzlich gilt folgende Empfehlung: Was ihr mitbringt, solltet ihr auch wieder mit zurück­nehmen. Das betrifft auch Papiertaschen­tücher und erst recht Toilettenpapier. Menschliche Hinterlassenschaften müssen hingegen vergraben werden. Haltet hierbei einen Mindestabstand von 60 m zu Gewässern ein. Auch Seife oder Ähn­liches solltet ihr niemals direkt in oder in unmittelbarer Nähe zu Gewässern verwenden, selbst wenn sie laut Hersteller biologisch ab­baubar sind.

4. Lasst alles so, wie ihr es vorgefunden habt

Bitte nehmt keine »Souvenirs« aus der Natur mit. Muscheln, Steine oder gar Pflanzen sehen im Freien sowieso viel schöner aus als auf einer Fensterbank und haben zudem alle ihren Platz im Ökosystem. Vermeidet auch, an Pausen- oder Zeltplätzen Spuren zu hinterlassen, damit Menschen, die nach euch kommen, ebenfalls möglichst unberührte Natur vorfinden können. Deswegen sind übrigens auch die beliebten Steinmännchen problematisch, zumal diese als falsche Orien­tierungshilfe verstanden werden können und die Steine Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere sind.

fraeuleindraussen / K. Heckmann Beim Übernachten in der Natur ist besondere Rücksicht geboten.

5. Vorsicht mit offenem Feuer!

Keine Frage: Abends nach einem langen Wandertag am Feuer unter dem funkelnden Sternenhimmel zu sitzen ist eine tolle Sache. Aber offene Flammen bergen auch große Risiken, die man als Laie leider oft überhaupt nicht einschätzen kann. Immer wieder kommt es zu teils verheerenden Waldbränden, die durch Lagerfeuer verursacht wurden. Wenn ihr Feuer macht, nutzt möglichst nur offizielle Feuerstellen, und checkt vorher immer den aktuellen Waldbrandgefahr-Index auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes (dwd.de). Achtet außerdem darauf, dass die Feuerstelle komplett kalt ist, bevor ihr sie aus den Augen lasst.

Lagerfeuer sind toll, aber offene Flammen bergen auch große Risiken, die man als Laie oft nicht einschätzen kann.

fraeuleindraussen / K. Heckmann Kein Ort eignet sich besser dazu, um Ruhe und Abstand vom Alltag zu finden, als die Natur.

6. Respektiert Wild- und Weidetiere

Auf keinen Fall solltet ihr jemals Wildtiere füttern oder sie bedrängen, zum Beispiel für bessere Fotos. Erhöhte Rücksicht ist zudem zur Brutzeit und im Winter erforderlich, insbesondere auch, wenn ihr mit eurem Hund unterwegs seid. Was für uns nur ein kurzer Zwischenfall ist, kann für Tiere manchmal verheerende Auswirkungen haben. Das gilt auch für die eigentlich gute Absicht, vermeintlich verletzten oder verlassenen Tieren zu helfen. Junge Rehkitze zum Beispiel werden oft für eine Weile allein im hohen Gras zurückgelassen. Fasst ihr das Tier an, kann das dazu führen, dass die Mutter es aufgrund des Geruchs verstößt. Im Zweifelsfall könnt ihr den örtlichen Tierschutz oder das Forstamt kontaktieren.

fraeuleindraussen / K. Heckmann

7. Nehmt Rücksicht auf andere

Es gibt wohl keinen besseren Ort, um Ruhe und Abstand vom Alltag zu finden, als die Natur. Um dieses Erlebnis für andere nicht zu trüben, solltet ihr auf allzu laute Unterhaltungen oder gar Musik verzichten und euch allgemein rücksichtsvoll verhalten. Das gilt insbesondere auch, wenn mehrere Sportarten aufeinandertreffen. Außerdem kann ein freundliches »Hallo«, »Servus« oder »Moin« wie so oft im Leben wahre Wunder wirken.

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Geschrieben von

Dass ich erst so richtig glücklich bin, wenn ich mit Wanderschuhen an den Füßen in weiter Landschaft stehe, im Schlafsack liege und den Wind rauschen… Mehr erfahren