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Tunnelzelt, Biwak oder Wurfzelt? Findet das richtige Zelt

Ist euer Zelt wirklich geeignet für ein Outdoor-Abenteuer? Oder seid ihr Camping-Anfänger und fragt euch, welches Zelt für eure Zwecke tauglich ist?

Es gibt unzählige Zelte. Sich bei der großen Auswahl zu entscheiden, ist schwer. Größe, Gewicht, Packmaß, Materialien, Wasserdurchlässigkeit, Form und bestimmte Features sind wichtige Kriterien für euer neues Zelt. Erfahrt, ob ein Wurfzelt oder ein anderer Zelt-Typ zu eurem Outdoor-Abenteuer passt.

Perfekt für Anfänger: Das Wurfzelt

Das Wurfzelt kommt in unterschiedlichen Formen und Größen daher, welche sich jedoch alle in einem Punkt gleichen: Wurfzelte sind extrem einfach und schnell aufzubauen. Deshalb werden sie auch “Sekundenzelte” genannt. Wenn ihr möglichst flexibel unterwegs sein und nicht viel Zeit für den Zeltaufbau investieren wollt, ist ein Wurfzelt das Richtige für euch. Aber auch, wenn ihr euch noch nicht so erfahren seid und den Aufbau lieber dem Zelt überlässt. 

Wurfzelt: Aufbau und Einsatzmöglichkeiten

Wurfzelte bestehen aus Fiberglas-Stangen und einer Zeltplane. Durch das einmalige Werfen auf den Boden und die daraus resultierende Federkraft baut sich das Zelt von selbst auf – und das innerhalb weniger Sekunden. Außerdem ist ein Wurfzelt leicht und weist ein geringes Packmaß auf, was es zu einem guten Begleiter bei Trekking-Touren oder Mehrtages-Radtouren macht. Allerdings bietet es nicht so viel Raum wie andere Zelt-Sorten. Die meisten Sekundenzelte sind für ein bis drei Personen konzipiert. Oft werden Wurfzelte auch als Übernachtungsmöglichkeit bei Festivals oder sogar als Spielzelte für Kids genutzt. Sie sind echte Allrounder. 

Etwas mehr Platz benötigt? Das Kuppelzelt schafft Abhilfe

Der gängigste Zelttyp ist das Kuppelzelt, häufig aufgrund seiner Form auch “Iglu” genannt. In vielerlei Hinsicht ist es dem Wurfzelt ähnlich, beispielsweise was Gewicht und Packmaß anbelangt.

Es bietet allerdings mehr Platz. So kann euer Gepäck bequem untergebracht werden. Kuppelzelte sind meist für zwei bis fünf Personen konzipiert, was sie perfekt für einen Trekking- oder Festivalausflug mit Freunden macht.

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Shutterstock Bis zu fünf Personen können bequem im Kuppelzelt schlafen.

Aufbau des Kuppelzelts

Der Nachteil gegenüber dem Wurfzelt besteht darin, dass ihr es selbst aufbauen müsst – doch das ist unkompliziert. Ein Kuppelzelt muss nicht abgespannt werden; überkreuzte Gestängebögen erzeugen so viel Spannung, dass es ohne Heringe an Ort und Stelle bleibt. Es kann überall aufgebaut werden, sowohl auf Ebenen als auch im Gebirge. Achtet vor eurem Abenteuer auf die Wettervorhersage. Bei starkem Wind büßt das Kuppelzelt einen Teil seiner Stabilität ein. Auch das Iglu gibt es in allen möglichen Modellen und Preisklassen. Es kommt darauf an, wie viele Personen darin Platz finden sollen und ob euch bestimmte Materialien am Herz liegen. 

Das Familienzelt mit viel Komfort: Tunnelzelt

Auch beim Tunnelzelt könnt ihr euch zwischen verschiedenen Modellen entscheiden. Die kleinsten bieten Platz für ein bis zwei Personen, größere Modelle für bis zu acht. Natürlich vergrößern sich Gewicht und Packmaß, je mehr Raum das Zelt bietet. Daher sind besonders die kleinen Modelle gut fürs Trekking oder mehrtägige Radtouren geeignet. Die großen Modelle bieten sich an, wenn ihr mit Freunden oder der Familie mehrere Nächte auf einem Campingplatz verbringt und dort auch tagsüber einen gewissen Komfort beibehalten möchtet. Großräumige Tunnelzelte können sich fast wie eine kleine Wohnung anfühlen. Da keine Dachschrägen vorhanden sind, ist eine praktische Raumaufteilung und -nutzung möglich. So könnt ihr etwas Privatsphäre genießen. In vielen Modellen könnt ihr auch mit einer Größe von 1,90 Metern noch aufrecht stehen. Das ist bei anderen Zelttypen selten der Fall.

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Shutterstock Tunnelzelte sind sehr geräumig und somit perfekt für Familien geeignet.

Worauf ihr beim Kauf eines Tunnelzeltes achten solltet

Seinen Namen verdankt das Tunnelzelt natürlich seiner Form; je größer das Zelt, desto besser erkennbar ist diese. Auch sehr praktisch: Die Apsis, also der Vorraum des Zeltes, kann bei vielen Modellen zum Pavillon umfunktioniert werden – super, um am Abend gemeinsam zu kochen oder zu grillen. Das klassische Tunnelzeit weist dank seiner Konstruktion mit mehreren, in bestimmten Abständen voneinander stehenden Gestängebögen eine hohe Spannung auf. Ist es abgespannt, trotzt es Wind und Wetter außerordentlich gut. Wichtig, auch bei allen anderen Zelttypen: Achtet beim Kauf auf die sogenannte “Wassersäule” von Außenzelt und Boden: Diese Zahl gibt an, wie wasserdurchlässig der Stoff des Zeltes ist. Empfehlenswert ist eine Wassersäule ab 3000 Millimetern. Je höher die Wassersäule, desto dichter das Zelt. 

Auch für extreme Abenteuer geeignet: Das Geodät

Stellt ihr euch unter einem Geodäten jemanden vor, der sich mit Ausmessungen und Abbildungen der Erdoberfläche beschäftigt? Aber auch die Allzweckwaffe unter den Zelt-Typen nennt sich so. Beim Geodät werden mindestens drei Zeltstangen aus Fiberglas gekreuzt, um die Konstruktion möglichst robust zu machen. Was entsteht, ist ein Zelt in Form einer Halbkugel, ähnlich wie das Kuppelzelt. Allerdings ist das Geodät kantiger und flacher und bietet somit weniger Angriffsfläche für Wind. Es kann bei allen Witterungsbedingungen optimal genutzt werden, obwohl es selbststehend ist und nicht abgespannt wird; für Gebiete wie Hochgebirge oder Küsten ist es geradezu gemacht. 

Weniger Komfort, mehr Stabilität

In dieser Zelt-Art findet ihr nicht so viel Stauraum wie in Kuppelzelten. Es ist aber auch nicht primär auf Komfort ausgelegt, sondern auf Stabilität. Kein anderes Zelt ist so gut geeignet für kalte Regionen, weshalb das Geodät sogar auf Expeditionen gern genutzt wird. Durch die Trennung von Innen- und Außenwand findet hier eine effizientere Klimatisierung als bei vielen anderen Zelten statt.

Geodäte sind etwas schwerer als Kuppel-, Tunnel-, oder Wurfzelte, weisen aber ebenfalls ein geringes Packmaß auf und sind einfach zu transportieren. Ein bis vier Personen finden darin Platz. Aufgrund ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten sind Geodäte eher hochpreisig.

Das Pyramidenzelt: Perfekt für eine Nacht

Je nach Größe bietet das Pyramidenzelt Platz für ein bis acht Personen. Leider geht hier durch die Schrägen der Zeltplane viel Platz verloren. Deshalb wird es gern auf kurzen Trekkingtouren eingesetzt: Es ist leicht und weist ein geringes Packmaß auf, aber nur die Basics, was Komfort anbelangt.

Große Menschen können beispielsweise nur in der Mitte des Zeltes stehen, was ein Zusammenleben einer größeren Gruppe in diesem Zelt schwierig macht. Die Grundfläche ist zwar viereckig und recht groß, doch nur wenn die Wände steil genug sind, lässt sich davon auch Gebrauch machen.

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Adobe Stock Pyramidenzelte sind bestens geeignet fürs Trekking.

Auf Materialien und Ausstattung achten: So erweitert ihr die Basics

Wenn ihr euch dennoch entscheidet, ein Acht-Personen-Pyramidenzelt zu kaufen und damit länger zu campen, dann achtet auf die Materialien. Baumwolle schützt viel besser vor UV-Strahlung als Nylon und ist daher für Camping im Sommer besser geeignet. Nylon wiederum ist leichter und das Mittel der Wahl, wenn ihr Trekking oder Mehrtages-Radtouren betreiben wollt. 

Bei den günstigsten Modellen gibt es nur eine Zeltplane, die auf eine Stange gesteckt wird und ohne Boden zu allen Seiten abgespannt wird. Doch ihr habt die Möglichkeit, mehr Ausstattung zu kaufen, zum Beispiel ein Außenzelt oder einen Zeltboden und eine Bodenplane. Damit ist das Zelt besser isoliert und ihr seid besser vor Schmutz, Kälte und Nässe sowie vor herein kriechenden Insekten geschützt.

Achtung beim Lagerfeuer

Pyramidenzelte mit außenliegenden Zeltstangen werden aufgrund ihrer Form oft genutzt, um ein Lagerfeuer im Innern zu entfachen. Wenn ihr das vorhabt, dann achtet auf ausreichende Durchlüftung, sonst entsteht eine bedenklich Rauchentwicklung. In einem Ein-Personen-Zelt solltet ihr kein Lagerfeuer entzünden, da aufgrund der Nähe zu den Zeltwänden Brandgefahr bestünde. 

Für besonders Naturverbundene: Das Tarp

Mit noch etwas weniger Ausstattung kommt das Tarp daher. Es handelt sich hierbei ausschließlich um eine Zeltplane, die zwischen zwei Fixpunkten, zum Beispiel Bäume oder kleine Hügel, gespannt wird. Deshalb wird das Tarp auch als “Dachzelt” betitelt; einen Boden sucht ihr hier vergebens. Ein sich daraus ergebender Vorteil ist die Leichtigkeit: Eine Zeltplane mit Schlaufen und Abspannseilen ist einfach verstaut und kaum als zusätzliches Gewicht bemerkbar. Zugegeben, Karabiner und Heringe benötigt ihr dennoch für den Fall, dass ihr nicht im Wald schläft und keine geeigneten Bäume zugegen sind. Aber auch die sind nicht sonderlich schwer und groß. Zu viel Komfort solltet ihr vom Tarp nicht erwarten; es bietet euch zwar ein solides Dach überm Kopf und schützt vor Regen und Hagel, nicht aber vor Insekten, die an den offenen Seiten herein kriechen, oder vor der Nässe und Feuchtigkeit des Bodens. 

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Adobe Stock Im Grunde mehr eine Plane als ein Zelt: das Tarp.

Der Natur ganz nahe sein 

Tarps werden häufig beim Bushcrafting benutzt: Hierbei geht es ums Erproben von Fertigkeiten zum Überleben in der Wildnis, nicht um bequeme Schlafplätze. Wenn ihr möglichst viel von der Natur erleben wollt, ist ein Tarp vermutlich das Richtige für euch. Es gibt auch hier, wie beim Pyramidenzelt, Modelle mit besserer Ausstattung. Das sogenannte Tarptent verfügt zwar auch nicht über einen Zeltboden, dafür ist es rundum geschlossen und bietet einen Grundschutz an den Seiten. Für eine einfache Tarp-Zeltplane zahlt ihr nur etwa zehn Euro; sehr gut ausgestattete Tarps können zwischen 250 und 350 Euro kosten.

Noch ein Tipp: Das klassische Tarp kann beim Wandern oder Radfahren sehr nützlich bei plötzlich eintretendem Regen sein. Es ist schnell aufgespannt und dient euch als ein überdimensionaler Regenschirm. 

Beliebt beim Karpfenangeln: Das Prahmzelt

Wenn ihr bis zu einer Woche draußen übernachtet, solltet ihr nach einem etwas komfortableren Zelt Ausschau halten. Das Prahmzelt ist besonders unter Karpfenanglern ein Verkaufsschlager, denn es ist perfekt geeignet für mehrtägige Sessions am Wasser. In seiner Form erinnert das Prahmzelt an das Faltdach eines Cabriolets. Es bietet viel Bewegungsfreiheit und Stauraum für Gepäck. Allerdings ist es nicht so leicht wie das Kuppel- oder Tunnelzelt und daher vor allem geeignet, wenn ihr zum Campingplatz mit dem Pkw gelangt. Der Aufbau geht wiederum sehr unkompliziert vonstatten und wenn das Zelt steht, ist es sehr stabil. Wind und Regen können dem Prahmzelt nichts anhaben; seine Außenwände sorgen außerdem für einen sehr guten Wasserabfluss.

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Adobe Stock Das Prahmzelt ist vor allem bei Anglern sehr beliebt.

Verschiedene Varianten des Prahmzelts

Die meisten Prahmzelte sind komplett geschlossen, doch einige unter ihnen bieten die Möglichkeit, die Frontwand herauszunehmen. Das sorgt im Sommer für gute Durchlüftung und ein angenehmes Klima. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Varianten, teils mit, teils ohne Vordach. Sie haben alle gemein, dass sie in der Anschaffung etwas teurer als viele andere Zelttypen sind. Der Komfort, den sie bieten, spricht allerdings für sich. 

Für Solowanderer: Das Biwakzelt

Wenn ihr keinen großen Wert auf Bequemlichkeit legt, könnte das Biwakzelt eine gute Wahl sein. Es erinnert in seiner Form an einen Schlafsack. Im Biwakzelt lässt es sich im Grunde nur liegen. Umziehen, kochen, essen, Gepäck verstauen: All das muss draußen verrichtet werden. Ein großes Plus: Es hat weniger Flächenbedarf, wodurch euch mehr Plätze zur Verfügung stehen. Außerdem benötigt ihr fürs Biwakzelt nur ein Minimum an Gestängen, die sowohl am Kopf- als auch am Fußende durchgezogen werden. So einfach aufgebaut ist – bis auf das Wurfzelt – kein anderes. Zu zweit ist es im Biwakzelt extrem eng. Wenn ihr also gerne allein mit der Natur seid, ist ein Biwakzelt die perfekte Wahl. Mit mehreren Personen lohnt es sich nicht, denn dann müsste jeder sein eigenes Biwakzelt mitnehmen – nicht gerade effizient.

Was bei jedem Zeltkauf beachtet werden sollte

Ob Wurfzelt, Tunnelzelt oder Biwak: Für welches Zelt ihr euch auch entscheidet, achtet idealerweise im Voraus auf die Materialien und deren Langlebigkeit. Es ist immer besser, etwas mehr Geld für hochwertige Ware auszugeben, als am falschen Ende zu sparen. Zelte sollten Jahre, sogar Jahrzehnte, überstehen und euch nicht nur eine Saison lang begleiten. 

Und ein letzter Tipp: Wenn ihr nur einmal pro Jahr oder sogar seltener campt, könnt ihr euch ein Zelt von Freunden leihen. Das ist nachhaltiger als eine Neuanschaffung.

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